Fiat 850 Sport Coupe 1968


Fiat 850 Sport Coupe 1:43


Mein drittes Auto
Fiat 850 Coupe. Motor 850 ccm 47 PS. Ein tolles Auto.

Als brave Limousine lernte der Fiat 850 vor 31 Jahren das Laufen, ein Jahr später sorgten Spider und Coupe für sportliche Abwechslung. Ihren spärlichen Hubraum machen beide mit lautstarkem Auftritt und elegantem Äußeren wett.
Anfang der sechziger Jahre galten noch andere Maßstäbe. Problemlos konnte sich Fiat erlauben, in die vollen zu greifen und reichhaltige Fülle zu demonstrieren. Dass dies ausgerechnet bei einem kleinen Modell, dem 850, passierte, hat zwei Gründe: Zum einen war der 850 so ziemlich das einzige Auto, das sich zu diesem Zeitpunkt in der Stiefelrepublik einigermaßen verkaufte, und zum ändern hatte dieser Typus bei Fiat gewissermaßen Tradition. Diese Art Autos zählten schon lange zur Domäne des Turiner Autoproduzenten. Mit dem Topolino, Fiats kleinem Mäuschen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, hatte der 850 allerdings wenig gemein, gegen den Frontmotor-Winzling sieht er fast schon erwachsen aus.
Die zum Motor Klassik-Termin angereiste Limousine präsentiert sich jedoch als ein graues Mäuschen wie aus dem Bilderbuch. Fiats zeitgenössischer Werbeslogan "Genau der Richtige" passt auch auf dieses Exemplar: Die dunkelgraue Lackierung ist nicht nur original, sondern auch gänzlich makellos. Auch die roten Sitze haben ihre Farbe und der Stoff seine gewebte Struktur behalten, als seien lediglich ein paar Jährchen über die kleine Heckmotor-Limousine gehuscht. Vier Jahre nach dem Stapellauf des neuen Fiat, die Bambini wurden inzwischen größer und mithin schwerer, schob der Turiner Konzern 1968 die Version Special nach. Unter der kleinen Motorhaube, die kaum über das Format von zwei aneinandergelegten Frühstücksbrettchen hinausgeht, dröhnte ab diesem Zeitpunkt der 47 PS starke Motor, der schon bislang ins Coupe eingebaut wurde. Von diesem stammten auch die Scheibenbremsen, die an der Vorderachse die schwächeren Trommeln ersetzten. Äußerlich unterschied sich der Special durch größer dimensionierten Chromschmuck an der Frontseite, größere vordere Blinker, seitliche Zierleisten, Chromeinfassungen an Front und Heckscheibe sowie gelochte Stahlscheibenräder im 13-Zoll-Format von der weiterhin gefertigten Basisversion. Im Innern dokumentierte ein Sportlenkrad die gestiegene Motorleistung. Zuvor war höheres Potential nur den Besitzern des offenen Fiat 850 Spider und des Coupes zuteil geworden. Deren sportlicher Klang passt damals wie heute auch erheblich besser zum äußeren Erscheinungsbild - wenngleich die Familienzugehörigkeit geschickt kaschiert wird. Denn bei flüchtigem Hinsehen ist dem Spider nicht anzusehen, dass er aus der 850er-Familie stammt. Der um fast 21 Zentimeter längere Zweisitzer vermag mit seinen eleganten Formen gut zu verbergen, dass sein Radstand mit dem der Limousine identisch ist. Bei den Fahrwerksabmessungen hören die Gemeinsamkeiten jedoch schon wieder auf. Im Heck der offenen Version rasselt zwar das gleiche 843-Kubikzentimeter-Aggregat wie in der Berlina, doch die auf 9,3:1 erhöhte Verdichtung begründet eine geradezu sportliche Leistung. Muntere 49 Pferdchen treiben die Hinterräder an, während an den Vorderrädern Scheibenbremsen dem Vorwärtsdrang Einhalt gebieten. Der 725 Kilogramm leichte Spider ist vergleichsweise kräftig motorisiert - Zylinderzahl und Hubraum sind eben doch nicht alles. Im Profil wirkt der sportliche 850 beinahe wie ein geschrumpftes Fiat Dino-Coupe. Die flach verlaufende Heckscheibe und der relativ lange Vorderbau sind typische Merkmale klassischen Coupe-Designs. Obwohl das Coupe in der Länge nur drei Zentimeter mehr als die Limousine misst, wirkt es deutlich gestreckter als das Urmodel] der Baureihe.
Das sportliche Äußere giert regelrecht nach technischer Aufrüstung. Dieser Meinung war auch Karl-Heinz Trzewik aus Iserlohn, als er vor zwölf Jahren sein Coupe vor dem drohenden Tod auf dem Schrottplatz rettete. Der motorsportbegeisterte Automechaniker restaurierte den Fiat nicht nur, sondern rüstete ihn gleich noch mit einem etwa 68 PS starken Abarth-Motor und der entsprechenden Abarth-Vorderachse aus. Derart ausstaffiert, zeigt das weiße Coupe auf kurvenreichen Landstraßen selbst moderneren Fahrzeugen gerne das Heck, an dem verräterisch eine markante Ölwanne mit roten Abarth-Lettern hervorlugt. Der 850 dient Trzewik als zivilere Alternative zu seinem Abarth 1000 TC, den er mit Vorliebe auf Rennstrecken fliegen lässt. Um mangelnden Auslauf braucht sich der 850er allerdings nicht zu sorgen. Sein Besitzer benutzt ihn für die alltäglichen Fahrten zur Arbeit. Für Karl-Heinz Trzewik hat das gewissermaßen Tradition: Nach einem BMW 1800 Ti war ein 850 Coupe schon in den Sechzigern sein zweites Auto, seither gehörten solche Modelle stets seinem Fuhrpark an. "Andere Autos sind mir einfach zu groß", lautet Trzewiks simple, aber glaubwürdige Erklärung. Wie der gelbe Spider wurde Trzewiks Coupe 1971 produziert, er entspricht aber der dritten Serie.
Die bis 1968 gebauten Exemplare besaßen eine einfachere Frontgestaltung ohne Zusatzscheinwerfer und ein harmonischer gestyltes Heck mit einer runden Leuchte pro Seite. Die zweite Serie, in der entsprechend zum Spider der 903 cm' große Vierzylinder zum Einsatz kam, sorgte mit kleinen Zusatzscheinwerfern, vier Heckleuchten und einem markanten Heck mit deutlich ausgeprägter Abrisskante für einen aggressiveren Auftritt - sowohl was Optik als auch Leistung angeht. In der dritten, 1971 eingeführten Serie sind die Haupt- und Zusatzscheinwerfer gleichgroß. In beiden Versionen lassen einen die großen Rundinstrumente, das Sportlenkrad und die sportlichen Sitze die brave Limousine leicht vergessen.
Die italienischen Autobauer brachten es damals einfach nicht fertig, auf einen eigenständigen Charakter dieses Modells zu verzichten. Denn Vielfalt, auch hei einer einzigen Modellreihe, zählte seinerzeit noch etwas. Und die ist, wie gesagt, selten geworden. Ähnlichen Fahrspaß vermag der dritte der 850er-Familie, das Coupe, zu bereiten. Wie bei der Limousine wurde auch sein Blechkleid im werkseigenen Stylingstudio entworfen, und die Karosserien liefen auch bei Fiat - und nicht aushäusig bei einem Karosseriespezialisten - vom Band. Das Coupe wurde zeitgleich mit dem Spider 1965 vorgestellt, leistete wegen einer zahmeren Nockenwelle mit 47 PS jedoch zwei PS weniger als der offene Bruder. Doch auch diese Leistung - und vor allem die elegante Karosserie - machten diesen Fiat-Ableger zu einem beliebten Sportwagen. Da brauchten sich die jungen Nachwuchs Rennfahrer nur noch Helm und Handschuhe überzustreifen und sich geradewegs auf den Weg zum Autodromo di Monza zu machen.